philosophisches


Disziplinierung unserer gewählten Volksvertreter

Ich fordere die sofortige Disziplinierung unserer Politiker. Geeignete Disziplinierungs-Maßnahmen könnte eine mitgetragene Verantwortung an den Folgen politischen Handelns darstellen.  Politiker und Beamte, insbesondere die Polizei, sollten im Falle weiterer Akkumulation der Staats-Schulden  zur Rechenschaft gezogen werden. Das souveräne Volk sollte sich die alleinige  Ausbeutung und In-Haft-Nehmung der Steuerzahler nicht mehr länger bieten lassen. Hier wird am falschen Ende diszipliniert.

Eine effektive Disziplinierung der Volksvertreter setzt voraus, dass nicht mehr nur der Steuerzahler für den unausgesetzt betriebenen, neo-liberalen Irrsinn, welcher durch die Regierung bildenden Fraktionen abgesegnet wurde und insbesondere durch die großen export-orientierten Konzerne und den Großhandel gerne umgesetzt wird, zur Finanzierung des Staats-Haushaltes und Tilgung der Schulden in Haftung genommen wird, sondern ebenso Politiker und Beamte dafür zahlen müssen.

Dies würde bei Einhaltung dieses neo-liberalen Kurses entsprechende Gehalts-Kürzungen bei den in Verantwortung befindlichen Politikern der Regierungs-Fraktionen zur Folge haben, die dazu beitragen werden, das Handeln der Politiker positiv zu beeinflussen & zu disziplinieren.

Alles Geld, was zum Unmut der Bürger und entgegen dem Willen des Volkes zukünftig noch in die Taschen transnationaler Export-Konzerne und ins Ausland fließen würde, und auch das Geld welches ständig dem Steuerzahler aus der Tasche gezogen werden muss, da eine entsprechende monetäre Reform vehement nicht angegangen wird, würde direkt den Taschen der Politik machenden Fraktionen und  höheren!, meiner Meinung nach überbezahlten Staats-Bediensteten zur Last liegen.

Denn wieso sollen diejenigen, die uns die dreckige Suppe einbrocken, auch besser weg kommen, als diejenigen, die ihn bisher regelmäßig auslöffeln dürfen??!


Chapeau! mission ‚radioactive‘ accomplished

Ein Land geht unter und der Kapitän, der den Untergang zu verantworten hat, stiehlt sich davon.

So kann man aktuell die derzeitige Lage in Japan auf den Punkt bringen / destillieren. In der vor- und früh-kapitalistischen Ära, ja da herrschten noch andere Sitten. Da war man noch so selbstlos darauf bedacht erstmal Frauen und Kinder zu retten. „Alles von Bord!“ schrie der Kapitän. „Schaut zu, dass ihr Land gewinnt!“ Und der Kapitän blieb bis zuletzt – ging sogar meißt würdevoll mit seinem Kahn unter.  

Ich sehne mir die Zeiten zurück, als es noch legitim war, in anarchischer Weise den Kapitän aufzuknüpfen für seine schändliche, unehrenhafte Flucht. In keinster Weise zu vergleichen, mit den hohen ethnischen Ansprüchen der Samurai (Suizid, da Schande aufs Haupt geladen), noch bevor die japanische Nation vom westlichen Kapitalismus geblendet wurde.

Das Kapital hat seine Aufgabe erfüllt – nun flüchtet es aus Japan und legt der ‚Besatzung‘ des Landes nahe, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Der verantwortliche Kapitäns-Stab dagegen wird sich schon längst außer Landes gestohlen haben..

Kapistalistische Interessen hatten Japan schon ein ganzes Jahrzehnt im Klammer-Griff und beginnen erst nun, da es wohl zum Super-GAU kommt, von ihrem nun vergifteten, um das blanke Überleben ringenden Opfer abzulassen und sich nach einem vielversprechenderen (profitträchtigeren) Opfer – womöglich die agrar-produzierenden Staatezu – Ausschau zu halten und sich diese mit ihren perfekt auf diese Jagd ausgelegten – ja extra hierfür konstruierten – mächtigen, finanziellen Hebel-Instrumenten zu krallen.

that’s how capitalism works today, gentlemen – god might have mercy with the humans, who stand behind big capital ideology – neo-liberal thinking ala Hayek, i can’t..


quo vadis politica? – Soziales Engagement

Zwei Ursachen führen zur Volks-Spaltung und zu einer weiteren – deutsch-nationalen genauso wie globalen – Episode des stetigen Kampfs ‘Gut gegen Böse’:

  • Parallelgesellschaften: Arm und Reich

….

  • der gesellschaftliche Antagonismus:

die kollektive Shizophrenie der bürgerlichen Mittelschicht – eine breite mittelständische Masse versucht den angerichteten Kollektiv-Schaden, welchen sie oft unbewusst in Erfüllung ihrer Dienst-Pflicht im Rahmen ihres Arbeitsvertrages als Konsequenz dieses Handelns in Kauf nimmt, versucht diesen regelmäßig mit oft 40h/Woche oder mehr sich aufstauenden Schaden (allgemeine Kritik), – wenn überhaupt – mit gelegentlichen, gemeinhin sehr rar gesäten Stunden gemeinnütziger Arbeit wettzumachen / entgegen zu wirken. Wirklich effektives Vorgehen / Ankämpfen gegen diese Fehl-Entwicklungen ist jedoch meißt nur unter Aufopferung eines erheblichen Teils der persönlichen Freizeit möglich.

Was gemeinnützige ‚Aspiranten‘ etwa in der Bemühung des Erhalts eines fortgeführten, breiten Bildungs-Niveaus, vor individuelle Hürden oder der Notwendigkeit eines Kompromisses stellt. Was geht vor? Das dienstliche Arbeits-Verhältnis, das Ehrenamt oder die tägliche Bildung, um sich kompetente Urteile (über politische und ökonomische Ereignisse) erlauben zu können?

Entscheidet man sich hier konsequent für das Ehrenamt, müssen für gewöhnlich hohe Anforderungen in Form von konstanten, großzügigen Ressourcen an Zeit und eine gewisse Relaxtheit aufgebracht werden. Dies schränkt ohne sozialen Rückhalt im engeren Sinne – sprich ohne die Einbeziehung des Freundeskreises – die persönliche Freizeitgestaltung mit Freunden massiv ein. So wirkt ein Mißerfolg bzw. Rückschlag des zu schaffen angestrebten Niveaus an gemeinnützigen Ziele, schnell deprimierend und desillussionierend. Ein sich entwickelndes Verständnis für ‚Gutmenschentum‘ und die Auslebung dieses im sozial-ehrenamtlichen Engagement, welches – so scheint mir – besonders unter jüngeren Generationen in urbanen Gebieten und Metropolen vorherrscht, ist leicht verletztlich. Das Verständnis steht und fällt mit dem sichtbaren Erfolg und der gesellschaftlich entgegengebrachten Anerkennung durch Bekannte für das jeweilige Ehrenamt.


Was jedoch nicht unter den Tisch gekehrt werden darf, ist die Tatsache,

dass viele ehrenamtliche Tätigkeiten – gleich einer nicht enden wollenden Sisyphus-Arbeit,

diametral dem Sinn jedes gewerblichen Dienstverhältnisses entgegen stehen

nämlich der Profit-Generierung.

 

 

 

 

Gemeinnützige Zwecke dürfen per Definition keine Gewinne abwerfen. Somit ist der GemeinNutz für das Kapital uninteressant. Und somit spaltet sich der unternehmerische Flügel sukzessive ab von der Gesellschaft. Er ist zum amerikanischen Kapitalismus mutiert, der sich einen Dreck um die Belange des Volkes schert.

Der Gedanke, der durch die Metapher der unsichtbaren Hand getragen wird, der Leitgedanke quasi der durch den schottischen Ökonomen Adam Smith begründeten klassischen National-Ökonomie, den er im Werk „Der Wohlstand der Nationen“ ausdrückt und der auch heute noch die Grundlage der marktliberalen Wirtschaftswissenschaft bildet, ist somit ausgehebelt. Die Vorstellung eines liberalen Marktes, der wie von selbst für eine natürliche Güter-Allokation und Verteilungsgerechtigkeit sorgt, ist längst überholt und hinfällig. Karl Marx hatte dies schon in der Marxistischen Wirtschaftstheorie begriffen und den oberflächlichen Sichtweisen und Inkonsequenzen der klassischen Nationalökonomie mit dem Begriff der „Vulgärökonomie“ brandmarkte. Diese bezeichnet das – aus Marxens‘ Sicht schon damals beschränkte – Alltagswissen der ökonomischen Akteure. Sie entspricht somit deren Standpunkt und beschränktem Gesichtskreis und bleibt dabei in der Betrachtung der wirtschaftlichen Vorgänge an deren Oberfläche und auf niedrigem wissenschaftlichen Niveau.

An diesem Zustand der etabliert-vorherrschenden Vulgärökonomie hat sich seitdem nicht wirklich etwas verändert. Die Profit-Generierung steht nach wie vor im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns. Einzig das marktliberale Dogma spitzte sich in einen marktradikalen Totalitarismus zu. Gleichfalls haben sich die gesellschaftlichen Arbeits- und Rahmenbedingungen sukzessive geändert – und zwar zum Negativen.

Denn genau im Zweck der Erwirtschaftung einer profitablen Rendite liegt der Schlüssel zum gesellschaftlichen Wohlstand begraben – ansonsten könnte man das gesamte Kapitalismus-Konzept komplett über den Haufen werfen!

Indem Teile der Gesellschaft – durch Ausübung vieler Ehrenämter bzw. ehrenamtlicher Arbeit – es dem unternehmerischen Gewerbe ermöglichen, sich von der sozio-gesellschaftlichen Verantwortung zu lösen / abzuspalten, werden genau durch diesen, von der industriellen Produktion gewollten Prozess der bürgerlichen Spaltung in antagonistische Lager bzw. Identitäten, falsche Prämissen für die Volkswirtschaft gesetzt.

Das unternehmerische Gewerbe kann sich – von der komplizenhaften Politik gestützt, welche für die Förderung des allgemeinen Wohls zunehmend die Zivil-Gesellschaft selbst in der Verantwortung sieht – nur noch, ausschließlich der Profit-Generierung ohne soziale Pflichten und reglementierende Grenzen widmen. In der Folge erleben wir ein immer skrupelloser agierendes Unternehmertum – eine immer abstrusere, asoziale (=marktliberale) Wirtschaft – die den Gutmenschen, der noch Rücksicht auf die ökologische wie die soziale Verträglichkeit des Produkts seiner Arbeit nehmen und seine Arbeit aus Überzeugung verrichten mag, immer vehementer abstraft. Die Abstrafung besteht in der Regel natürlich darin, dass viele Arbeitssuchende mit einem intakten ethischen Bewusstsein – welches ein volatiles Moral-Verständnis durch gelungene Erziehung & weitergehende Bildung voraussetzt – von vornherein filtert und aussortiert bzw. die angebotene Stelle mitsamt deren Anforderungen für den emanzipierten Arbeitssuchenden nicht vertretbar sind. Ob dieser die Stelle dann – etwa durch die Prämisse eines ansprechenden Gehalts – trotzdem annimmt, liegt in erster Linie daran, ob der (arbeitsfreie?) Aspirant dringend auf Arbeit angewiesen ist bzw. sich eine Zeitspanne der Entbehrung eines Einkommens zugunsten des Suchens nach einem für ihn besser vertretbaren Job leisten kann.

In einer Demokratie haben nicht nur Alle dieselben Rechte, sondern es haben auch Alle dieselben Pflichten

Es gibt so gut wie keine ehrenamtliche Tätigkeit, die sich nicht auch durch eine bezahlte Tätigkeit ersetzen liese. Hierfür ist nur ein soziales Wohlwollen der staatstragenden und daher in Verantwortung stehenden politischen Akteure nötig. Doch genau an diesem Wohlwollen mangelt es. Dieser Mangel an politisch-getragenem Wohlwollen von und für die gesamte Gesellschaft – also jedes Einzelnen – wird nicht dadurch behoben, dass die Anstrengungen in die ehrenamtliche, gemeinnützige Leistungsbereitschaft intensiviert werden. Und erst recht wird dadurch keine nachhaltig ‚heilere Welt‘ erreicht.

Eine heilere Welt, die nicht vom gewerblichen Profit-Streben getragen und getrieben wird, kann nur durch eine fundamentale Änderung des politischen Kurses – der Agenda der Regierung – hervorgerufen werden.

Denn es ist nicht primär unsere Aufgabe – die Aufgabe des einzelnen Bürgers oder Vereins, sich altruistisch für die Förderung des allgemeinen Wohls einzusetzen. Normalerweise ist das die Aufgabe der Politik / der Staats-Regierung, der den Auftrag des souveränen Volkes umzusetzen hat und nur dafür entlohnt werden darf.


Hartz IV Regelsatz – gerecht oder nicht?

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dazu folgendes:

Ich weiß, dass die Welt nicht ohne Grund so ist. Ich weiß, dass jemand etwas getan hat, um sie in diesen elenden Zustand zu versetzen. Und es ist noch nicht zu spät. Es ist nicht zu spät. Es ist nicht zu spät. Ich bestehe darauf, dass es nicht zu spät ist.

Geld verdummt die Menschen. Sie müssen nicht so hart arbeiten wie diejenigen, die kein Geld haben. Deshalb verwenden die cleveren Reichen ihr Geld auf eine einzige Sache. Sie benutzen es dazu, dass die Armen arm bleiben.

Was ich glaube:

Ich glaube, dass wir schon sehr bald rausfinden werden, was mächtiger ist.Geld oder Wissen. Je schlimmer die Zustande werden, desto mehr Distanz wird es zwischen den cleveren armen und den dummen reichen Leuten geben. Und die cleveren Armen werden einen Weg finden, um zu überleben, und die dummen Reichen werden womöglich was sehr Dummes tun. Zum Beispiel ein paar rote Knöpfe drücken und die Welt in Schutt und Asche legen. Das glaube ich.

Das Problem dieser Welt – unser aller Problem ist, dass wir in Parallel-Gesellschaften leben. In Parallel-Gesellschaften, die sich unentwegt bekriegen.

 


Blockade der Subjektivitäts-Produktion im Kapitalismus – ein Gleichnis + pers. Deutung

Gleichnis / Anektode aus ‚commonwealth‘ (Hardt, Negri) Teil V – Jenseits des Kapitals? – 3. Vorbeben an den Bruchlinien:

Eines Tages sucht Monsieur Le Capital, weil er sich krank fühlt, Doktor Subtilis auf und bekennt, das er jede Nacht von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht wird. In diesem Traum, so erklärt Monsieur Le Capital, steht er vor einem Baum voll reifer Früchte, die in der Sonne leuchten, aber in seinen Armen hat er Arthritis und er kann sie nicht hoch genug heben, um an die untersten Zweige zu gelangen. Er hat bohrenden Hunger, kann aber die köstlichen Früchte vor seinen Augen nur betrachten. Schließlich bekommt er mit großer Mühe eine der Früchte zu fassen, doch plötzlich merkt er mit Schrecken, dass er den verschrumpelten Kopf eines Toten in Händen hält.

„Bitte sagen sie mir, Doktor, was das zu bedeuten hat.“ – „Ihr Problem“, antwortet Doktor Subtilis, „Ist nicht nur ein gestörtes Bewusstsein, sondern auch ein gepeinigter Körper. Im Zeitalter biopolitischer Produktion löst sich die traditionelle Trennung zwischen Subjekten und Objekten auf. Die Subjekte produzieren keine Objekte mehr, die anschließend wiederum Subjekte reproduzieren. Das, was Sie da mit Händen zu greifen versuchen, Monsieur Le Capital, das ist die Subjektivität selbst. Aber wenn Ihre Hände die Produktion von Subjektivität zu fassen bekommen, zerstören Sie damit paradoxerweise, ja, tragischerweise das Gemeinsame und verderben den Prozess, weil Sie die Produktivkräfte welken lassen.“

Monsieur Le Capital ist angesichts dieser Diagnose natürlich völlig verstört, bittet den Arzt aber gleichwohl mit Nachdruck um ein Medikament. Nun, überlegt Doktor Subtilis, die alten Arzneien privater und staatlicher Kontrolle, nämlich der Neoliberalismus und sozialdemokratische Strategien, machen die Sache nur noch schlimmer. Nach langem Überlegen antwortet er schließlich kryptisch: „Ich kann Ihnen nur eines raten, Monsieur Le Capital: Berühren Sie die Frucht nicht!“  (mehr …)


Aufruf zu zivilem Ungehorsam gegen die dystopische Planwirtschaft 1

in welcher wir gefangen sind. Wir dürfen es nicht zu lassen, uns mit den heutigen westlichen (Niedrigst-)Standards auf dem Gebiet der Lohnarbeit und dem Konsumenten-Markt und den repressiven Konsequenzen der Entwicklungen in diesen entscheidenden volkswirtschaftlichen Sektoren abzufinden, in ihnen ein menschen-unwürdiges Leben zu fristen.

Denn die harte Realität – die unweigerlichen Konsequenzen dieser Planwirtschaft, welche uns von den Politikern und Medien als marktwirtschaftliche Hegemonie verkauft wird, lassen dieses Trugbild in einer Flut apokalyptischer Horror-Szenarien, die uns Tag für Tag um die Ohren hüllern, ertrinken. Da in der Planwirtschaft der BRD nur eine kurzfristige Planung von Wahlperiode zu Wahlperiode zulässig ist und auch von dem Standpunkt eines ‚Externen‘ (Analytikers) aus, der eine längerfristige Planung von über vier Jahren überhaupt erst in Betracht ziehen würde, dieser zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen muss, die Administration – dieses ‚Planungs-Konglomerat‘ – habe sich mit dem Ende der Volks-Demokratien und Wirtschafts-Nationen abgefunden und engagiere sich nur noch mit den potentiellen System-Gewinnern, diese Planwirtschaft hat ihren Zenit längst überschritten und ist reif von der prophezeiten Sinn-Flut hinweggespült zu werden.

Der amerikanische Kapitalismus unter Bombardement

An Kapitalismusgegnern besteht heute kein Mangel. Wir werden geradezu überschwemmt von kritischer Berichterstattung über die Schrecken des Kapitalismus: investigative Recherchen in Tageszeitungen, Fernsehreportagen und auflagenstarke Bücher über Unternehmen, die unsere Umwelt verschmutzen, über korrupte Banker, die weiter fette Boni beziehen, obwohl ihre Firmen durch Steuergelder gerettet wurden, über Ausbeuterbetriebe, in denen Kinder endlos schuften. Doch all diese Kritik, so radikal sie erscheinen mag, hat einen Haken: Sie stellt den liberal-demokratischen Rahmen, innerhalb dessen diese Exzesse bekämpft werden sollen, nicht infrage. Ihr explizites oder implizites Ziel ist es, den Kapitalismus Regeln zu unterwerfen – durch den Druck der Medien, durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse, durch strengere Gesetze, durch unabhängige polizeiliche Ermittlungen -, aber sie hütet sich, die institutionellen Mechanismen des liberal-demokratischen bürgerlichen Rechtsstaats infrage zu stellen. Der ist und bleibt die heilige Kuh, die selbst die radikalsten Formen des „ethischen Antikapitalismus“ – wie etwa das Weltsozialforum in Porto Alegre – nicht anzurühren wagen.

In einem Memorandum für die CIA zur Frage, wie die Regierung Allende zu schwächen wäre, schrieb Henry Kissinger kurz und bündig: „Sorgt dafür, dass die Wirtschaft aufschreit!“ Ehemalige Offizielle der USA geben offen zu, dass heute dieselbe Strategie auf Venezuela angewandt wird. Auch im gegenwärtigen ökonomischen Ausnahmezustand haben wir es eindeutig nicht mit blinden Marktprozessen zu tun, sondern mit durchorganisierten strategischen Interventionen von Staaten und Finanzinstitutionen, die entschlossen sind, die Krise nach ihren eigenen Vorstellungen zu überwinden. Sind unter solchen Umständen defensive Gegenmaßnahmen nicht vollkommen legitim?

Slavoj Zizek

Was hat der Cyberspace unserer partei-demokratischen Parlamentar-Gesellschaft voraus?

Die Kommunikation im cyberspace funktioniert deshalb so reibungslos und unkompliziert, weil für alle dieselben Regeln gelten. Der cyberspace ist egalitär – jeder web-Nutzer / e-citoyen hat beispielsweise in einem Forum die selben Startchancen. Er fängt bei Null an und muss sich allein aufgrund seiner Gesinnung, seiner Ambitionen und seines sprachlichen Argumentations-Vermögens Gehör & Respekt verschaffen bzw. einen Einfluss-Kreis generieren. Dies funktioniert im Netz sehr gut. Ein weiterer Vorteil, der nur im Netz zum Vorschein tritt: Niemand wird aufgrund von äußeren Einflüssen dazu gezwungen, diesen oder jenen Beitrag zu verfassen, diese oder jene Position zu vertreten. Zumindeßt bei privaten Netzbewohnern – gilt die völlige ideologische Freiheit, die freie Standpunkt-Wahl. Die sich selbstverständlich auch entwickeln kann und fähig für Zugeständnisse ist. Ein anarchisches Paradies, welches leider Gottes in der Realität weitab jeglicher Chance auf Verwirklichung zu sehen ist.

Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!

Die kapitalistische sozio-ökonomische Wirklichkeit – ein Zeitalter der Unreife

Andererseits, auf dem Gebiet der sozioökonomischen Beziehungen, hält sich unsere Epoche für ein Zeitalter der Reife, in dem die Menschheit sich von jahrtausendealten utopischen Träumen verabschiedet und die Schranken der Wirklichkeit – lies: der kapitalistischen sozioökonomischen Wirklichkeit – akzeptiert hat, mit all dem, was eben nicht möglich ist. Das Gebot IHR KÖNNT NICHT ist ihre Losung: Ihr könnt keine großen gemeinschaftlichen Aktionen starten, weil sie unvermeidlich in totalitären Terror münden; ihr könnt nicht am alten Wohlfahrtsstaat festhalten, weil er euch die Konkurrenzfähigkeit kosten und in die Wirtschaftskrise führen wird; ihr könnt euch nicht gegen den Weltmarkt abschotten, ohne dem Gespenst des nordkoreanischen juche zu verfallen. In ihrer ideologischen Version fügt die Ökologie ihre eigene Liste der Unmöglichkeiten hinzu, und zwar in Gestalt sogenannter Grenzwerte – nicht mehr als zwei Grad globaler Erwärmung -, die auf „Expertenmeinungen“ basieren.

Es kommt darauf an, hier zwischen zwei Unmöglichkeiten zu unterscheiden: zwischen dem unmöglichen Realen eines gesellschaftlichen Antagonismus und der „Unmöglichkeit“, die von der herrschenden Ideologie in den Mittelpunkt gestellt wird. Die zweite Unmöglichkeit verdoppelt die erste, um sich selbst zu verbergen: Ihre ideologische Aufgabe ist es, die reale Unmöglichkeit der ersten zu verschleiern.

Die heute herrschende Ideologie will uns dazu bringen, die „Unmöglichkeit“ radikaler Veränderung – die „Unmöglichkeit“ einer Abschaffung des Kapitalismus, die „Unmöglichkeit“ einer Demokratie, die nicht auf ein korruptes parlamentarisches Spiel reduziert wäre – zu akzeptieren. Denn so macht sie den unmöglichen, aber sehr realen Antagonismus unsichtbar, der die kapitalistischen Gesellschaften zerschneidet. Dieses Reale ist „unmöglich“ in dem Sinne, dass es das Unmögliche der bestehenden Gesellschaftsordnung ist, ihr konstitutiver Antagonismus; was nicht heißen soll, dass dieses unmögliche Reale nicht unmittelbar zum Gegenstand der Auseinandersetzung und radikal transformiert werden könnte.

Dabei sind wir in der entgegengesetzten Situation des frühen 20. Jahrhunderts, als die Linke wusste, was zu tun sei (die Diktatur des Proletariats zu errichten), aber geduldig auf den richtigen Augenblick warten musste. Wir dagegen wissen nicht, was wir tun sollen, müssen aber jetzt handeln, da die Konsequenzen des Nichthandelns katastrophal sein könnten. Wir werden gezwungen sein zu leben, „als wären wir frei“. Wir werden in vollkommen ungeeigneten Situationen Schritte in den Abgrund riskieren müssen; wir werden Teile des Neuen neu zu erfinden haben, nur um die Maschine in Gang zu halten und um zu bewahren, was am Alten gut war – Bildung, Gesundheitswesen, grundlegende Sozialleistungen. Kurzum, unsere Situation ist so, wie Stalin über die Atombombe sagte: Nichts für schwache Nerven. Oder wie Gramsci die Epoche charakterisierte, die mit dem Ersten Weltkrieg begann: „Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.“

Slavoj Zizek


Das eigentlich Bedrohliche am amerikanischen Kapitalismus..

..ist nicht etwa die Erkenntnis einer unbeständigen, minimalistischen Minorität an Kapitalisten (Menschen), die es sich dauerhaft leisten kann, ein freies Leben mit maximaler Liberalität  – kommerzieller Unabhängigkeit – zu führen,  sondern die Prämisse einer gespaltenen Welt.

Eine gespaltene Welt des globalen Westens und des Südens. Eine Welt der Extreme zwischen den Polen der Armut und des Reichtums. Die Pole müssen stetig aufgeheizt werden – angeschürt durch frischen Wind – um diese Droh-Kulisse aufrecht zu erhalten. Denn implodiert dieses Bedrohungs-Szenario, wird diese reale Gefahr des Absturzes in prekariatorische Verhältnisse zerstört, steht das System ‚amerikanischer Kapitalismus‘ vor dem Ruin. Wo extreme Armut nicht mehr ist, wo der Schrecken selbst – durch Entzug seiner Existenz-Grundlage – sein Antlitz verliert und unwirklich wird, da kann auch das Bild extremen Reichtums in unserer Gesellschaft nicht mehr aufrecht erhalten werden – es bröckelt und erodiert.

Und wie soll bitte schön ein kapitalistisches System ohne die Illusion des Erreichens eines pompösen, in Luxus schwelgenden Lebens-Stiels noch funktionieren? Wohin soll sich sein pervertiertes Selbst-Verständnis noch entwickeln? Welche Zukunft soll dieses exzessive ‚Sehen und Gesehen werden‘ – ohne vehement-prahlerisches zur Schau-Gestelle seines entarteten, verschwenderischen ‚Styles‘ und überschwängerten Wohlstand, ohne prunksüchtiges, ‚expose-maniac‘ / manisch-enthüllendes ‚bling-bling‘ Verhalten, noch  haben?


Der amerikanische Kapitalismus 1

oder auch postfordistischer Kultur-Kapitalismus …mit seinen ungezügelten Rendite-Forderungen ohne Schranken und Wucher-Konditionen, er ist ein Schneeballsystem. Nichts weiter. Kein Handels-Kreislauf, kein Güter-Tausch-System, noch nicht mal ein als harmlos einzustufendes Glücksspiel-/Wett-System mit gleichen Chancen für alle Teilnehmer. Im Gegenteil. Er ist ein kühl kalkuliertes Umverteilungs-System. Der kapital-hortende, amerikanische Kapitalismus. Und er setzt sich gegen jegliche Aggressoren mit Händen und Füßen zur Wehr – indem er alles mitzureißen droht, was ihm im Wege steht. Er reißt die Schwachen mit sich. Über die ganze Welt rollt er hinweg  und wird von den geschluckten Schwachen, deren Wurzelwerk aus der Erde gerissen und in die weiße Masse des Schneeballs hineingepresst, von ihr absorbiert und konserviert wurde – in perverser Weise als neuer, integerer Konkon – als verbindende (Schutz-)Hülle, welche die eigene, persönliche Schwäche verschleiert, weiter angetrieben. (mehr …)