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Höheres Eigenkapital für Banken, aber wie?

Politiker und Wissenschaftler sind sich einig: Banken benötigen mehr Eigenkapital um in Zukunft Verluste ohne Steuergelder tragen zu können. Doch auf welchem Weg und in welcher Höhe Eigenkapital vorgeschrieben werden soll, darüber wird innerhalb der Basel III Umsetzung noch immer gestritten.

Bei der Diskussion geht es im Besonderenum zwei Größen, die risikogewichtete Eigenkapitalquote sowie die Leverage Ratio. Bei der ersteren Quote werden Aktiva nach ihrem Risikoprofil gewichtet, bei der zweiteren wird die gesamte Bilanzsumme in das Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt. Da die Risikogewichtung komplex und die Umgehungsmöglichkeiten für Banken hoch sind, sehen viele Kritiker die zusätzliche Erfordernis einer Leverage Ratio, wie sie beispielsweise in Kanada Tradition hat und neuerdings auch in der Schweiz Anwendung findet. Um den Unterschied der Quoten zu verdeutlichen: Wenn bei deutschen Großbanken von einer Kernkapitalquote von 7 Prozent die Rede ist wird die risikogewichtete Ratio gemeint, hingegenbeträgt die Leverage Ratio lediglich 1,9 Prozent(Stand Dezember 2012). Um zukünftige Krisen abfedern zu können sieht Basel III bis 2018 eine Leverage Ratio von 3 Prozent vor, manche Notenbanker und Ökonomen gehen aber wesentlich weiter: z.B. fordern Thomas Hoenig (FDIC), Daniel Tarullo (FED) und Mervyn King (BoE) eine Leverage Ratio von über 6 Prozent, Martin Hellwig (Max-Planck) kann sich sogar eine wirkliche Eigenkapitalquote von 20-30 Prozent vorstellen. Gerade aber aus kontinentaleuropäischen Regierungskreisen wird eine solche Höhe abgelehnt.

Ich möchte nun nicht erörtern, welche Art und Höhe an Eigenkapital erforderlich ist, sondern einen alternativen Ansatz aufzeigen, wie man höhere Quoten erreichen kann.
Der bisherige Plan, höhere Eigenkapitalvorschriften zu erreichen sieht wie folgt aus: Über einen langen Zeitraum bis 2019 sollen Banken über Ausgabe von Aktien oder die Einbehaltung von Gewinnen ihr Eigenkapital stärken, was jedoch zulasten der Dividenden geht. Mögliche negative Effekte sind hierbei nicht auszuschließen. Der Bankensektor hat nämlich die Möglichkeit durch Schrumpfung seiner Bankbilanz die Equity Ratio zu verbessern. Wenn hierbei das Kreditgeschäft an realwirtschaftliche Unternehmen zurückgefahren wird, kann das Wachstum der Realwirtschaft darunter leiden. Studien des internationalen Währungsfonds (IMF) oder der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) bestätigen dies, wenn auch nur in geringem Maße.

Um diesen negativen Effekt abzuferdern wäre ein großflächiger Bail-in im Bankensektor denkbar, eine Leverage Ratio von 20% oder 30% durchaus möglich. Bail-In bedeutet, dass Banken mithilfe Ihrer Gläubiger rekapitalisiert werden, ohne dass Steuerzahler dafür aufkommen müssen. Fremdkapital können Anleihen oder Einlagen darstellen, welche ab einem Freibetrag von beispielsweise 100.000€ zu einem gewissen Prozentsatz in Aktien umgetauscht werden. Auch werden die ehemaligen Inhaber von Fremdkapital und nun neuen Aktionäre nur dann Verluste erleiden, wenn auf der Aktivseite des Instituts auch wirklich Forderungen oder Vermögenswerte abgeschrieben werden müssen. Denn nach dem Modigliani-Miller-Theorem sind die Finanzierungskosten eines Unternehmens unabhängig von der Kapitalstruktur. Wird eine Anleihe in Eigenkapital gewandelt, verändert sich nur das Risiko und die Verteilung der Erträge, in Summe ist dies jedoch neutral. (Vorrausgesetzt Eigenkapital wird gegenüber Fremdkapital nicht steuerlich diskriminiert, was momentan der Fall ist, daher änderungsbedürftig) Bei der Ausgestaltung des Freibetrages müsste man sich die Situation im Detail ansehen. Da mittlere und große Unternehmen oft sieben oder acht stellige Summen als Giroguthaben halten für realwirtschaftliche Transaktionen, würde ein Freibetrag von nur 100.000€ zu Liquditätsschwierigkeiten führen. Dies könnte man durch eine Kreditierung seitens der Bank nach der Umwandlung der Einlage in Eigenkapital entschärfen. Somit bleibt die Zahlungsfähigkeit gewährleistet.

Noch aus einem weiteren Grund wäre ein solcher Bail-In vorteilhaft. Durch den Fall Zypern, bei dem erstmals in der Eurozone ein singulärerDebt-Equity Swap prominent erfolgt war, wird dieses Konzeptauf europäische Ebene als ein Instrument mit weiterem Potential gesehen. Auf dem EU Gipfel im Juli haben die Mitgliedsländer bekräftigt einen einheitlichen Abwicklungsmechanismus zu beschließen. Die momentanen Verhandlungen im Gesetzgebungsverfahren zeigen jedoch noch viele Unstimmigkeiten, beispielsweise das Beharren mancher Länder auf Veto-Rechte und andere Sonderwünsche. Zudem hat Finance Watch in Brüssel in einer aktuellen Studie dargelegt, dass mit einem einzelnen Bail-In innerhalb der jetzigen Bankenlandschaft weiterhin große Risiken für die Systemstabilität bestehen. Wenn beispielsweise die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von 2 Billionen ins Trudeln kommt, kann es schnell in einen Dominoeffekt münden. Also würde ein Bail-In in der Realität in einer Krisensituation nicht angewandt werden, da kein Politiker dieses Risiko eingehen möchte. Um dies zu verhindern, fordern viele Bankenkritiker eine Verkleinerung von Banken, was meiner Meinung nach nicht wirklich weiterhilft, da die Risiken dann nur auf viele kleine Institute verteilt sind. Die Verflechtung wird jedoch weiterhin bestehen. Das zyprische Modell ist ergo nur dann möglich, wenn die Gläubigerbeteiligung bei Banken mit geringer Verflechtung und Volumen durchgeführt wird. Solange die Eigenkapitaldecke also weiterhin sehr gering ist, wird ein Bail-Out systemrelevanter Banken mit Steuergeldern weiterhin nötig sein, auch wenn deutsche Regierungspolitiker im Wahlkampf anderes behaupteten.
Genau hier würde der oben beschriebene großflächige Bail-In ansetzen, da systemrelevante Banken nun ausreichendes Eigenkapital vorweisen würden um größere Abschreibungen verkraften zu können. Wenn zukünftige Regierungspolitiker wie Markus Söder ihr Ziel durchsetzen möchten, keine Steuergelder für Banken mehr aufwenden zu müssen, wird man unorthodoxe Lösungen nicht ausschließen können.

Mit diesem Beitrag möchte ich einensolchen Debt-Equity Swap im Bankensektor nicht als das “einzig Wahre” vermitteln, sondern zeigen, dass unkonventionelle Konzepte gefragt sind wenn der Steuerzahler bei zukünftigen Bankenrettungen außen vor bleiben soll. In der Krisenentwicklung der letzten 5 Jahre habe ich zu oft den Satz gehört, “geht nicht, gibts nicht”. Krisen zeigen aberoft, dass das was zuvor für viele als undenkbar erschien, dann doch Realität werden kann. Angefangen bei dem Bruch der”No-Bail Out” Klausel in Griechenland, über die enorme Ausdehnung des Mandats der europäischen Zentralbank, bis hin zum zyprische Bail-In.

Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass der Weg eines Bail-Outs mit anschließender Schuldentilgung über Vermögensabgaben nicht verkehrt ist. Damit priorisiert man zuvorderst soziale Gerechtigkeit, jedoch zulasten der Haftungsfrage. Doch der Weg, der die letzten 5 jahre gegangen wurde, nämlich Bail-Out ohne anschließender Beteiligung der Krisengewinner ist völlig verkehrt. Schon paradox, dass bei der momentan kritischen Vermögenskonzentration und der damit einher gehenden steigenden öffentlichen und privaten Verschuldung Wahlen mit geplanten Steuererhöhungen verloren werden. Sind es doch gerade konservativ-liberale Institutionen wie der internationale Währungsfonds oder die Bonston Consulting Group die neuerdings diese Entwicklung ankreiden und Vermögensabgaben als gangbaren Weg erachten. Ein gewisses Umdenken findet also statt, wenn auch nur langsam.

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