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perfide Praxis der doppelten Kredit-Ausfall-Sicherung

Ist eigentlich schon wem aufgefallen, dass die Banken sich die Kredite immer doppelt besichern lassen?

Einmals durch die Bonitäts-Prüfung, mit der die Kreditwürdigkeit des Kunden bescheinigt wird – oder nicht; der Antragsteller muss dem Gläubiger (der Bank – die für die Einlagen ihrer Kunden haftet) diese selbst nachweisen. Er könnte ja ebenso ein ’systemisches Risikio‘ darstellen. Dies wäre dann der Fall, wenn er einen namhaften Kredit trotz mangelnder Bonität – also einen Vertrauens-Vorschuss / Pfand in Form von adäquater Zahlungsmoral, persönlichen Verhältnissen und stabile finanzielle Verhältnisse sowie ein stabiles Einkommen – bescheinigt bekäme, obwohl dem nicht so ist.

Andernmals durch den Kredit-Zins selbst! Denn dieser ist ja im Grunde nichts anderes, als die Gebühr für das Risiko der Bank eines teilweise oder Total-Ausfalls des vergebenen Geld-Kredits gegenüber dem Gläubiger – also den Kunden mit ihren Geld-Einlagen. Da das Kredit-Ausfall-Risiko nie vollständig zu eliminieren ist, sondern vielmehr immer ein Rest-Risiko auf Nicht-Zurückzahlung des Kredits bestehen bleibt, ist der Kredit-Zins anversicht auch gerechtfertigt. Es gibt leider keinen perfekten Markt, bei dem alles zu 100% getilgt wird, so dass der Zins theoretisch wegfallen könnte.  Auch wenn diesen Zahlungs-Ausfällen sicherlich auch andersweitig (..) beizukommen möglich wäre.

Die eigentliche Idee des Zinses ist in diesem Falle aus meiner Sicht in einer solidarischen Umlage-Versicherung zu sehen, welche in überschaubaren Kreisen auf ‚Dorf-Niveau‘ sogar ohne Weiteres funktionieren könnte:

Kann der Kredit – aus welchem Grund auch immer – von einem Mitbürger nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt werden, so bedeutet das auch bei mehrmaligen Vorkommnissen (verschiedener Bürger), nicht den Untergang / die Insolvenz der Bank (die ja theoretisch auch nicht das Geld herzaubern kann..). Sondern die Kredit-Ausfälle der Bank werden solidarisch von den Schuldnern der ganzen Gemeinde getragen, durch den gezahlten Kredit-Zins von wenigen Prozent auf den so verteuerten Leih-Betrag.

Der Zins alleine würde also ausreichen, um etwaige Ausfälle der Bank – als uneinbringliche Forderungen verbucht – wett zu machen. Die Bilanz wäre durch die Mehreinnahmen der Bank aus Zins auf die Verleih-Gelder wieder ausgeglichen.

Soweit zur Theorie.

In der Praxis  scheinen die Banken jedoch den Zins gar nicht als Besicherung ihrer Geld-Vergabe wahrzunehmen. Sonst könnten sie auch ohne Weiteres auf die aufwendigen Bonitäts-Prüfungen verzichten. Nein; die Banken kassieren viel mehr gleich doppelt ab:

Jeden kredit-nehmenden Schuldner durch Anrechnung des Kredit-Zinses aufs Haben-Konto der Bank und im Falle eines Aus-Falles darf der Schuldner mit seinem Privat-‚Vermögen‘ – seinem gesamten Hab und Gut – auch noch bluten. Worin besteht der Sinn dieser doppelt – kollektiv wie paritätisch – praktizierten Schulden-Tilgung? Macht dies überhaupt Sinn?

Zudem muss man wissen, auch wenn es in die Thematik der doppelten Besicherung jetzt nicht wirklich rein passt, dass die (big) Geschäfts-/Investment Banken einen Großteil ihrer beachtlichen (20%+) Gewinne hauptsächlich durch Geld-Vermehrung auf der Basis der Ausgabe von ungedecktem Geld erwirtschaften.

Für mich gibt also ein quasi doppeltes Aufwiegen der Kredit-Ausfälle nur dann einen gewissen Sinn, wenn ein weiterer – oft nicht beachteter – Faktor, nämlich derjenige der Beschaffung notwendiger, jedoch sehr knapper Handels-Ressourcen – welche im Falle der Banken  eindeutig das Geld darstellt – mit in den gedanklichen Legitimations-Prozess hineinbezogen wird.

Die Beschaffung einer Basismenge an Zentralbank-Geld..

Stellt sich mir noch die Frage: Als was nehmen die Banken und Ökonomen den Zins dann war? 

Bei aufgeklärteren  sollte der Zins als das wahrgenommen und auch nach aussen kommuniziert werden, was er tatsächlich ist: Ein Obolus für die private Geld-Emission. Denn dort, wo das ganze Schuld-Geld emissioniert und der – wenn auch sehr limitierte – Zugang für fast Jedermann über das Banken-System nach ‚Unten‘ ermöglicht wird, ist man natürlich auch nicht von gestern. Im Gegenteil. Hier denkt die finanzielle Elite der privaten stakeholder der zwölf Privat-Banken, die zusammen die Federal Reserve – die US-Zentralbank also – bilden, sehr ‚progressiv‘. Sie schaffen das Geld aus dem Nichts und geben es jedoch nur als Schuld-Geld weiter aus – also nur gegen eine prozentual fixe Gebühr am nominellen Kredit. Auch die FED besichert sich im Grunde doppelt gegen einen Aufall – denn als Sofort-Pfand nimmt sie ebenfalls Staats-Anleihen, Schatzpapiere etc. in Kauf. Im Prinzip also exakt der gleiche Prozess, den auch eine (Kommunal-)Bank vollführt, mit dem einen Unterschied: Die US-Zentralbank (FED) kann das Geld praktisch unendlich schöpfen. Für sie ist Geld als Ressource nicht knapp. Lediglich die zur Verfügung stehenden, akzeptablen (Staats-)Sicherheiten für das auf paradoxe Weise (noch) kostbare Geld / US$ sind es. Die Federal Reserve ist somit Kreditgeber / Gläubiger der ersten Instanz und damit Profiteur in letzter Instanz. Sie bestimmt die Spielregeln – die Konditionen, zu denen ein US-Staats-Kredit vergeben wird. Den Leitzins etwa. Das kann die FED, weil sie quasi ein Markt-Monopol auf die Ressource Geld hat. Dieses wird durch das Patent der FED auf die Geldschöpfung gesichert. Solange ihr dieses Patent erhalten bleibt – es ihr der Staat nicht wieder aberkennt, solange kann sie die Geldwirtschaft willkürlich diktieren und für ihre privaten Interessen mißbrauchen.

Schuld-Geld im Übrigen deshalb, weil das Geld nicht schuldfrei – durch und für die öffentliche Hand – geschaffen wird, sondern mit einem Leit-Zins der ZB für das Kredit-Ausfall-Risiko des Marktes privat ‚besichert‘ wird – aus Gläubiger-Sicht gesehen. und wer kommt für das ganze schuldbehaftete Geld auf? Na? Die Bürger – die einen übersteigerten Bedarf an Geld haben und sich verschulden, in erster Linie natürlich. Aber auch die Industrie, denn ‚ohne Moos nix los‘, wie’s so schön heisst. Und damit sind wir Alle natürlich mit an Bord. Doch ist beim Menschen noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: Die Natur / Umwelt leidet natürlich! mit. Vom kapitalistischem Diktat sind weder Mensch noch Tier ausgenommen. Alle leiden unter ein und derselben Minorität privater Geldhalter, denen auf perfide Weise (mit Nachdruck!) das Recht der Geldschöpfung in die Hände gefallen ist (gegeben wurde) und das sie nicht mehr aufgeben wollen. So entsteht in exponentieller Geschwindigkeit aus Geld immer mehr Geld. Wächst und wächst – und sucht neue Anlage-Möglichkeiten in einer begrenzten Welt.

Dazu noch mein bekennendes Paradigma / Prophezeihung: Nur der kollektive Ausstieg aus dem Finanz-Faschismus, die Aufgabe der kapitalistischen Religion, die Ablehnung der systemischen Verschwörung und die Flucht nach Vorne, kann unsere Gesellschaft noch erretten – eine Gesellschaft, die diesen Namen auch verdient, wieder-erblühen lassen. Dazu müssen wir uns selbst aus dieser Abwärts-Spirale heraus-katapultieren, uns und so viele unserer Mitbürger wie möglich aus der kapitalistischen Gleichung herausnehmen – bevor der Kapitalismus 3.0 womöglich unser aller Schicksal besiegelt und wir endgültig ‚vor die Hunde gehen‘.

Eine recht interessante, weitergührende Frage in diesem Bezug: Wie wird international mit einem Staat umgegangen, der ‚Pleite gegangen‘ ist? Wird er sanktioniert? Oder ’nur‘ beim zukünftigen Handeln am Markt behindert / ausgeschlossen?

Was die Koppelung der Geldmenge mit dem vergüteten Gut-/Haben-Zins betrifft bzw. dessen Verhältnis zueinander: Bei kleineren Umsätzen bis zum Million-Bereich, was der Regelfall der meisten Banken ausmacht, kann man ja davon ausgehen, dass das Zins-Verhältnis vom Haben : Soll Betrag etwa 5:1 entspricht. Es wird also im Regelfall – die Erfahrung zeigt es – locker mal der fünffache Zins des gebotenen Zinses aufs Spargeld für einen in Anspruch genommenen Kredit verlangt.

Doch auch hier gilt, wie bei fast jeder Investition: Die nachgefragte Masse senkt bei Vollzug den Preis. Bei einem Investment eines zwei- bis dreistelligen Millionen-Betrages wird die Differenz von Haben-/Kreditzins zum Soll-/Sparzins marginal. Im Gegensatz zur Marktlogik – ‚je mehr ich von einer Ressource anbiete, desto weniger bekomme ich dafür‘ (bei endlicher Nachfrage), verhält es sich bei der Ressource Geld also genau umgekehrt: ‚Desto mehr ich anbieten / nachfragen kann – je mehr Geld ich für mich arbeiten lassen kann, desto günstiger werden die Konditionen für mich‘. Das Knappheits-Gebot ist somit ausser Kraft gesetzt und ein Einschwenken in Richtung Verteilungs-Gerechtigkeit nach diesem Prinzip (solange dieses vorherrscht) endgültig passé.


Irland steht mit dem Rücken zur Wand – Addendum zum Schlussgedanken

Der SpiegelFechter – Jens Berger – im Schlussgedanken des gerade publizierten Artikels „Irland steht mit dem Rücken zur Wand„:

Warum gestattet die EU nicht, dass sich Staaten, die am Markt zu hohe Aufschläge zahlen müssten, mit Auflagen über die EZB finanzieren? Wie das funktionieren kann, bewies unlängst die FED, die erst vor kurzem ankündigte, Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden US$ aufzukaufen. Für Angela Merkel wäre das jedoch unattraktiv, kann sie doch nun direkt Einfluss auf die Politik der PIIGS-Staaten nehmen.

Das kann ich Dir sagen, mein lieber SF, da die EZB im Gegensatz zur FED nicht in der Lage ist, Geld aus dem Nichts zu schaffen und damit Europa zu versklaven. In der EU läuft das etwas anders: Hier ist Brüssel auf ein stabiles Wechsel-Verhältnis des Euro zum US-Dollar bedacht. Würde der Euro heute auch nur ansatzweise eine derartige Inflation erfahren, und zwar durch simples „quantitative easing“ in Form des Ankaufs von (EU) Schatzpapieren der Staats-Haushalte durch die EZB – wie dies bei der Inflationierung des US$ durch die FED erneut der Fall ist, befänden wir uns morgen im 3. Weltkrieg.

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