biomacht


Résumé – ‚common wealth‘

Fazit meines Literatur-Studiums zu den Werken der Autoren Micheal Hardt, Antonio Negri

+ Auseinandersetzung mit Postwachstums-Ökonomie und der möglichen Rolle /des Potentials von Allmende-Gütern

 

Fragestellung: Was bedeutet es, in einer globalen Markt-Wirtschaft auf die Subsumierung von Gemeingütern wie Energie, Öffentlicher Nahverkehr, Bildung, … – ja, sogar Geld als Ware, unter die öffentliche Hand zu drängen, wenn die Quellen / die Schaffung dieser Gemeingüter in privaten Händen verweilt?

Analyse / Annahme:

Der Sozial-/ Wohlfahrts-Staat handhabt die der kapitalistischen Vermögens-Umverteilung (unten→oben) entgegengesetzte, weitaus geringfügigere Verteilung heutzutage so, dass existenz-sichernde Transfer-Maßnahmen zur Befriedigung von Grund-Bedürfnissen und zur Befriedung / Deeskalation der Geringverdiener & Arbeitslosen sozialisiert – die Kosten hierfür ’solidarisiert‘ werden. Das ist Fakt und zweifelt keiner an.

Was dagegen eher Grund für Überlegungen aufwirft, ist die Vermutung..

 

hieraus zu folgernde These für PostWachstum:

Viele Bestrebungen etwa einer von attac! derweil im Diskurs befindlichen möglichen Postwachstums-Ökonomie gehen – nach mehrheitlicher Auffassung (unbestätigt) – in dieselbe Richtung. (décroissance, deprivatisierung, öffentliche Güter, degrowth, Dekommodifizierung, allgemeine Wachstums-Kritik)

Diese (soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung*) gilt es mit über das ‚Keynsianische‘ * hinausgehenden Konzepten wie (Wieder)Aneignung der Gemeingüter, Deglobalisierung, neuen Formen der Arbeit, Ernährungssouveränität4 und Energiedemokratie neu zusammen zu denken, und zwar unter den Vorzeichen einer Wirtschaft, die nicht wächst, sondern bis zu einem Stabilisierungspunkt schrumpft. [*sinngemäß ergänzt – These zum PW von Alexis Passadakis & Matthias Schmelzer, Juni 2010]

→ zur Aneignung der Gemeingüter: Erforschung GG_MPI

wenn ich das richtig interpretiere, soll diese Konzept-Idee sich auf Allmendegüter / common goods beziehen – sprich auf die freie / gemeine Allokation und Nutzung nicht privatisierter natürlicher Reservate etwa von nat. Lebensgrundlagen wie Luft, Wasser, Boden; zudem Wild- & Fischbestände, Wiesen / Wälder, .. – aber auch vom Menschen geschaffene Formen der Infrakstuktur – also öff. Verkehrsmittel, Straßen, Parks, ..?!

Frage: Gehören zu Gemeingütern auch öffentliche Güter, von denen Niemand ausgeschlossen werden kann – wie Energie, Abfallentsorgung und Telekommunikation? Ich denke: Ja – aber erst in zweiter Instanz. Hier sollte man zwar ebenfalls ansetzen, jedoch mit einer grundlegend anderen Methodik / Strategie.

→ Differenzierung aller Aktion – allen Bestrebens gesellschaftlichen Wandels – unter der Prämisse der Vermeidung von Knappheit und der Lenkung des Wirtschaftens durch ökonomische Anreize oder Restriktionen. Diese zwei Ziele können nur durch Unterbindung der Akkumulation privaten Eigentums in zusätzlicher Ergänzung (doppelt hält besser) mit der wirtschaftlichen ‚Ächtung‘ des aus unternehmerischer Tätigkeit hervorgehenden Mehrwerts von übersteigert-akkumulierten / verhältnislosen privaten Eigentums – egal ob institutionell oder singulär – gewährleistet werden.

  • Negierung der bestehenden Misere, Auswüchse, Ungerechtigkeiten durch weitgehende Unterbindung des (willkürlichen) Handelns zu unrecht etablierter, nicht legitimierter (US-)Institutionen und Überführung der Entscheidungs-Gewalt in die Hände / die Obhut demokratischer Souveränität:was effektivst & am nachhaltigsten nur durch eine Transformation des Geldsystems gelingen kann; somit Auflösung / Zerstörung bestehender Institutionen, die den Fortbestand des aktuellen FIAT-Money Geldsystems (Praxis der Geldschöpfung, etc.) gewährleisten
  • Aussperrung /Ausklammerung des ad absurdum gesteigerten Grenznutzens aus dem zukünftigen ökonomischen ‚Welfare‘-Modell – Restriktierung der unternehmerischen Nutzenfunktion: was das Bestreben nach kapitalistischer Profit-Generierung aus unternehmerischer Tätigkeit ab einem bestimmten, demokratisch konsolidierten Punkt / Level sinnlos bzw. sinnfrei werden und somit folgerichtig verpuffen lässt; diese ‚Verpuffung‘ wäre als das gewollte / bewusst herbeigeführte Resultat eines gesellschaftlichen Verdikts biopolitischer Konstitution anzusehen. In dem man auf internationaler Ebene gesetzliche Restriktionen durchsetzt – z.B. Akkumulations-Limits oder Wucher-Verbot, welche die Privat-Autonomie wirtschaftlichen Handelns einschränkt; Anerkennung durch Wirtschafts-Mächte problematisch

In beiden Fällen muss sich die biopolitische Kollektive ihrer Macht bewusst werden, sie bündeln und durch demokratische Entscheidungsfindung legitimieren und durch den Souverän zu einer ersten Konstitution konsolidieren lassen. Unter Einbezug des Potentials und der Synergien, welche sich durch Optimierung der drei maßgeblichen Characteristika biopolitischer Arbeit

  • Kooperation
  • Autonomie
  • netzwerkartige Organisationen

ergeben, kann eine Bewegung von Dauer, die in dem Ziel der Bildung biopolitischer Institutionen gipfelt, gewährleistet werden.

zur Erläuterung:

Die Hegemonie der biopolitischen Produktion, die sich heute herausbildet, bringt neue demokratische Möglichkeiten mit sich. Dabei sind drei einander überlappende Entwicklungen entscheidend:

Erstens: Während in der Zeit der Hegemonie industrieller Produktion die Kapitalisten im Allgemeinen den Arbeitern die Mittel und Muster der Zusammenarbeit zur Verfügung stellten, nach denen sich die Produktion organisierte, ist in der biopolitischen Produktion die Arbeit selbst zunehmend dafür verantwortlich, für Kooperation zu sorgen. Daraus folgt zweitens: biopolitische Arbeit wird immer autonomer gegenüber dem kapitalischen Kommando, das, wo immer es eingreift, die Produktion eher behindert und Produktivität verringert. Drittens schließlich: Im Gegensatz zu den vertikalen, hierarchischen Formen von Kooperation, die das kapitalistische Kommando vorgab, schafft biopolitische Arbeit horziontale Netzwerkformen.

Insbesondere demokratische Ziel- und Entscheidungsfindung auf der Basis von speziell hierfür entwickelten Kommunikations-Instrumenten (‚liquid democracy‘ – ggf. anonym), zu welchen jeder Teilnehmer a priori freien Zugang (technische Bereitstellung und Transparenz durch Schulung) haben muss, muss hierbei aktiv vorangetrieben werden. Von jedem Subjekt muss Demokratie selbst erlebt werden – idealerweise durch unmittelbare Kommunikation / Gedankenaustausch innerhalb der lebendigen Zirkel unserer Metropolen durch „learning by doing“.

 

Dies kann, trotz allen gut-gemeinten Vorsätzen, nur in dieselbe Kerbe schlagen und ebenso wie die neo-sozialistische (Lobby- & Austeritäts-)Politik der Regierung während der letzten Jahrzehnte auf der Basis rudimentär-sozialistischer Rechts-Gesinnung, in der Bereitstellung  unzureichender Leistungen auf Kosten der Arbeiter & Angestellten / Proletarier und zukünftiger Generationen enden.

→Der Gedanke, der der Postwachstums-Ökonomie in dieser Phase (Dezember 2010) zu Grunde liegt, und seinen Schwerpunkt im ‚sozial-ökologischen‚ – weniger aber in einer ‚solidarisch-demokratischen‚ Form (was der biopolitischen Produktion von Gemeingütern eher entspräche) findet, ist nach meiner Auffassung aus folgendem Blickwinkel zu betrachten und kritisch zu analysieren:

Bildung von ‚Reservaten‘ an schon kapitalistisch ‚gewachsenen‘ Erzeugnissen (keinesfalls verwechseln mit echten Gemeingütern!) = Entzug eines kleinen, nicht kritischen Teils der Ressourcen heraus aus dem kapitalistischem Diktat → dies wird aber die Barrieren des Privateigentums nicht brechen / sprengen können, sondern nur für eine Zuspitzung kapitalisch-orientierter Nachfrage an gegebenen Wirtschafts-Ressourcen & -Gütern zur Folge haben. Denn ’sozialisieren‘ oder ‚ökologisieren‘ gleicht im Spiel des Lebens um immer mehr Profit einem ‚Kampf gegen Windmühlen‘.

Die Erzeugnis-Akkumulation und somit die Ausbeutung realwirtschaftlicher Produktivität – wo auf der einen Seite akkumuliert wird, da entsteht auf der Gegenseite Knappheit, die Wucher erst ermöglicht – wird beibehalten; sie wird sich in einem geschrumpften Pool der jeweiligen, endlichen Gemeingüter sogar noch weiter verschärfen. Das Kapital wird weiterhin – ganz im Sinne des ‚homo oeconomicus‘  die Differentiale in Raum und Zeit abschöpfen.

Auf diese Weise kann das Gemeinsame im Einklang mit der kollektivistischen Produktion wachsen und durch egalitärere Arbeits-Bedingungen – und zwar sämtliche Arbeitsformen ([in-]materiell, Handel) betreffend – zu einer in der Regel gerechtfertigten / adäquaten Bewertung des Arbeits-Mehrwerts – und damit der real erbrachten Arbeits-Leistung – führen und somit für soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und gerechte, legitime Verteilung des Reichtums sorgen.

Wird dieses Grob-Konzept realisiert und wird eine kritische biopolitische Masse erreicht, eine Rebellion / Insurrection möglich, wird der Löwen-Anteil der durch den amerikanischen Kapitalismus aufgeworfenen und zum Gipfel der Perversität getriebenen Problematik (un-)menschlichen Handelns – der Geißel der Menschheit – in nicht allzuferner Zukunft der Vergangenheit angehören. Die Menschheit hat es in der Hand, die Beseitigung des massiven Ungleichgewichts – nicht nur – zwischen Arm und Reich, das die Welt zum kippen droht, durch ihr Tun voranzutreiben und philantrophes Wirtschaften – vielleicht erstmalig in der Geschichte – zum Vorteil, ja zum Wohle Aller, zu verwirklichen.